Geht es ums Essen, legen wir Menschen manchmal ein kurioses Verhalten an den Tag. Auch Du hast sicher schon mindestens einmal gegessen, obwohl Du gar nicht hungrig warst. Das Dessert nach einem ausgedehnten Mahl, der Snack zwischen Tür und Angel und das Eis vor dem Fernseher stehen für ein weit verbreitetes Phänomen.

Die Suche nach Gründen für das Essen ohne Hunger führt Dich zu Deinen unterbewussten Verhaltensweisen und Gewohnheiten. Hier liegt im Verborgenen, was Dich zugreifen lässt, auch wenn Dein Körper längst satt ist.

Die Sache mit bewusstem und unbewusstem Verhalten

Wäre der Mensch dazu in der Lage, jede seiner Entscheidungen bewusst zu treffen, wäre vieles erheblich leichter. Immerhin weiß Dein Bewusstsein sehr genau, wann es genug ist und welcher Snack besser liegen bleiben sollte. Ein starker Gegenspieler der bewussten Ebene ist jedoch das Unterbewusstsein mit all seinen (guten und schlechten) Gewohnheiten. Immer wieder drängt es sich klammheimlich in den Vordergrund und trifft Entscheidungen für Dich. Das geschieht keinesfalls aus böswilliger Absicht, sondern soll Dich vor unangenehmen Gefühlen bewahren. Zustände wie

  • Langeweile,
  • Wut,
  • Traurigkeit
  • und Stress

versucht Dein Unterbewusstsein durch bestimmte Verhaltensweisen auszugleichen. Dummerweise greift es dabei zu Lösungen, die nicht immer gut für Dich sind. Das beste Beispiel ist der große Eisbecher vor dem Fernseher, der auch in TV-Serien nach Trennungen oder Streitigkeiten gelöffelt wird.

Die Prägung findet in der Kindheit statt

Dein persönliches Essverhalten und die hiermit verbundenen, unterbewussten Bewältigungsmechanismen entstehen nicht rein zufällig. Vielmehr sind sie das Ergebnis eines Lernprozesses in der Kindheit. Haben Deine Eltern Dir nach einer schlechten Note zum Trost häufig einen Schokoriegel gegeben, blieb das nicht ohne Folgen. Dein Unterbewusstsein lernte so, dass Essen eine gute Taktik für die Bewältigung unangenehmer Gefühle ist.

Noch vor ihrem dritten Geburtstag haben Kinder eine sehr gute Wahrnehmungsfähigkeit, was Sättigungsgefühle betrifft. Dann bleibt die halb aufgegessene Schale Müsli stehen und das leckere Eis schmilzt ungegessen in der Sonne. Später wandelt sich das allerdings und der bereits erwähnte Lernprozess sowie sozialer Druck zwingen Kinder zum Aufessen. Keine Lust auf Kuchen am Geburtstag oder den Verzicht auf Zuckerwatte auf der Kirmes gibt es dann nicht mehr.

Ein weiteres Problem ist, dass ungesundes und übermäßiges Essen nicht nur als sinnvolle Therapie für schlechte Gefühle gilt, sondern seine Salonfähigkeit auch bei Feiern und Erfolgen unter Beweis stellt. Selbst wenn wir uns glücklich fühlen, neigen wir dazu, mehr Kalorien zu uns zu nehmen als wir eigentlich brauchen. Die Prägung aus der Kindheit unterstreicht das, wenn ein gutes Zeugnis oder der erste Sprung vom Dreimeterbrett mit Eis und Schokolade gefeiert wurden. Gute und schlechte Gefühle haben daher oft dieselbe Wirkung.

Warum nach dem Braten noch Platz für Eis ist

Ein besonderer Fall liegt außerdem vor, wenn nach einem herzhaften Essen ein süßes Dessert angeboten wird. Interessanterweise ist bei den meisten Menschen – auch wenn sie längst satt sind – immer noch Platz für etwas Süßes zum Abschluss. Das ist darauf zurückzuführen, dass sich das Sättigungsgefühl nicht alleine auf den Mageninhalt bezieht, sondern auch von sensorischen Faktoren beeinflusst wird.

Hast Du also bereits zwei Teller Braten gegessen, will Dein Körper keine herzhaften Speisen mehr. Dafür hat er nun umso mehr Lust auf süße Dinge. Dieses Verhalten lässt sich auf die evolutionären Anfänge des Menschen zurückführen. Früher nämlich unterstützte die sensorisch gesteuerte Sättigung eine abwechslungsreiche Ernährungsweise. Dass das heute nicht mehr nötig ist, interessiert dabei nur wenig. Deswegen lautet die Antwort auf die Frage: „Hast Du noch Lust auf einen Nachtisch?“, viel zu häufig „Ja!“.

Dein Gehirn als Unterstützer und Verhinderer

Im ventromedialen präfrontalen Cortex Deines Gehirns entsteht das Hungergefühl, das Dich an den Kühlschrank treibt. Die Aktivität dieses Gehirnareals sinkt, sobald Du satt bist und Dein Interesse für Nahrung verfliegt. Das Problem ist jedoch, dass sich Gewohnheiten auf das Aktivitätslevel dieses Bereiches auswirken. Isst Du regelmäßig vor dem Fernseher oder holst Du Dir bei Langeweile einen Schokoriegel, sinkt die Aktivität des genannten Areals nicht mehr und Du isst weiter.

So kommt es zu allerlei unliebsamen Gewohnheiten, denen Dein Gehirn keinen Einhalt mehr gebieten kann. Beispiele hierfür sind unter anderem:

  • Essen aus dem Nudeltopf, obwohl die Teller längst abgeräumt sind
  • Lust auf Süßes gleich nach dem Essen
  • Das Eis bei Traurigkeit
  • Kuchen und Snacks bei Feierlichkeiten

Dein Gehirn strebt außerdem danach, Bedürfnisse schnell zu erfüllen. Das dadurch ausgeschüttete Dopamin fühlt sich gut an. Allerdings kann es passieren, dass Essen zum sinnlosen Ersatz für tieferliegende Bedürfnisse wird. Bist Du traurig, hilft eine Umarmung vermutlich mehr als ein Eis, wobei zweiteres häufig einfach schneller zu bekommen ist.

Nimm es selbst in die Hand!

Keine Sorge – Du bist all dem nicht schutzlos ausgeliefert. Hältst Du Dir die unterbewussten Vorgänge und oft sinnlosen Gründe für Essen vor Augen, schärfst Du Deinen Blick dafür, was Dein Körper wirklich braucht. Das Gute daran: Durch die Änderung von Gewohnheiten lernt Dein Gehirn und schlechte Gewohnheiten gehören nach einer Weile der Vergangenheit an